Ministerium wird gedrängt, alle Unterlagen bzg. Umgang mit Information freizugeben
The Irish Times - Monday, April 5, 2010 - EITHNE DONNELLAN, Health Correspondent
DIE GRUPPE, die die meisten Thalidomid-Überlebenden des Staates repräsentiert, hat das Gesundheitsministerium aufgerufen, sofort alle Dokumente freizugeben, die in Verbindung mit der Vorgehensweise des Ministeriums bezüglich des Rückzugs des Medikamentes stehen, das ihre Behinderungen verursachte.
Der Aufruf durch die irische Thalidomid-Vereinigung erfolgt, nachdem neue Informationen über das, was dem Kabinett in den Jahren 1973 und 1974 in Bezug auf die Rücknahme des Medikamentes mitgeteilt wurde, in den Staatsarchiven aufgedeckt wurden.
Finola Cassidy, die Sprecherin der Vereinigung, sagte, dass die in den Staatsarchiven aufgetauchten Informationen „schockierend“ seien und dass sie die schlimmsten Befürchtungen der Gruppe bezüglich der Geisteshaltung der Politiker und Beamten dieser Zeit widerspiegelten, die die Opfer des Thalidomid-Skandals als „Problem“ ansahen, das zu beseitigen war.
Die Dokumentation mache es auch deutlich, sagte sie, dass diejenigen in der Regierung zu der Zeit nicht erwarteten, dass die Thalidomid-Opfer lange leben würden, als den Auszahlungen an ihre Eltern 1974 zugestimmt wurde.
Eine Kabinetts-Memo sagte aus, dass die Zuwendungen an die Opfer kleiner werden würden, „wenn die Leistungsempfänger verstorben sind“.
Frau Cassidy sagte, dass es wahrscheinlich wesentlich mehr Informationen in den Unterlagen des Gesundheitsministeriums gebe über das Medikament und warum keine Warnung an irische Frauen herausgegeben wurde, sobald das Medikament im Dezember 1961 bzw. Januar 1962 durch den deutschen Hersteller zurückgerufen wurde. Sie drängte das Ministerium, diese Unterlagen freiwillig gegenüber der Vereinigung offen zu legen, damit der ganze Kontext klar würde.
Die Vereinigung, die beim Staat sowohl um eine Entschuldigung als auch um eine erhöhte Entschädigung nachsuchen aufgrund der erhöhten Behinderungsgrade ihrer Mitglieder im weiteren Leben, trifft sich mit Gesundheitsministerin Mary Harney in der nächsten Woche.
Frau Cassidy sagte, dass die Vereinigung das Thema der zurückgehaltenen Unterlagen bei dem Treffen ansprechen werde.
Vergangenen Dezember wurde es bekannt, dass die britische Regierung plante, eine Entschuldigung und weitere £20 Millionen (€22,6 Millionen) als Entschädigung ihren 466 Thalidomid-Überlebenden anzubieten. Dies war eine zusätzliche Zahlung zu einem früheren, wesentlich großzügigeren Vergleich, der mit den britischen Opfern in den 70ern abgeschlossen wurde.
Frau Harney teilte mit, dass sie bei der Behörde für Forderungen an den Staat (State Claims Agency) nachgefragt hat, diese Forderungen der Vereinigung im Zusammenhang mit der irischen und der internationalen Versorgung der Thalidomid-Opfer einerseits und im Kontext von irischer Rechtssprechung und Präzedenzfällen andererseits zu prüfen.
Sie erwartet in Kürze einen Bericht der Behörde.
Es gibt 32 Thalidomid-Überlebende im Staat. Die Irish Thalidomide Association vertritt den größten Teil von ihnen.
Original:
„Public not warned about thalidomide despite withdrawal” (Irish Times, 05.04.2010)
Übersetzung: Maria Bergner-Willig